Seite drucken

Für eine Kultur der Verantwortung

Unternehmen und Betriebe stehen nicht neben, erst recht nicht über der Gesellschaft, sie gehören zu ihr wie Vereine, Familien, Verbände und alles andere auch. Die auf Eigentumsrechten basierenden unternehmerischen Entscheidungen ordnet unser Grundgesetz in den gesellschaftlichen Zusammenhang so ein: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Unternehmerische Entscheidungen haben vielfältige Folgen – nicht nur für die Investoren, sondern auch für die Beschäftigten, die Kunden, die Umwelt, die betreffenden Kommunen und Regionen, die Zulieferer. Wirtschaftswunder und Wohlstandswachstum haben viele Probleme überlagert: Viele Jahrzehnte lang konnten Unternehmen negative Folgewirkungen ihrer Wirtschaftstätigkeit ohne größere Proteste nach außen verlagern, angefangen von Gesundheitsgefahren über Massenentlassungen bis zu Umweltzerstörungen. Mindestens seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ist die öffentliche Sensibilität für negative gesellschaftliche Folgen wirtschaftlichen Handelns gewachsen.

Der spekulative Missbrauch, der mit Unternehmen betrieben wird, und die erhöhte Aufmerksamkeit für die gesellschaftlichen Risiken unternehmerischer Entscheidungen ergeben zusammen die gestiegene Erwartung an eine „gesellschaftlich verantwortliche Unternehmensführung“.

Diese öffentlichen Erwartungen an die unternehmerische Verantwortung greift das Forum Zukunftsökonomie auf – kritisch und konstruktiv.

Kritisch: Mit der Verantwortung der Wirtschaft in der Arbeitsgesellschaft ist ein unternehmerisches Selbstverständnis unvereinbar, das seine Aufgaben dadurch für erledigt hält, dass es seinen Geschäften nachgeht und die dabei entstandenen oder vernichteten Arbeitsplätze als eine einfache Nebenfolge der Wirtschaftstätigkeit behandelt. Vor allem aber ist ein Unternehmer-Verhalten zu verurteilen, das die Beschäftigungskrise missbraucht, um Arbeitsplätze wie eine Art Faustpfand im Tausch gegen schlechtere soziale und ökologische Standards anzubieten.

Konstruktiv: Es gibt Unternehmen, die gemeinsam mit ihren Beschäftigten beweisen, dass es anders geht. Sie benutzen das Allzweckargument „Wettbewerbsfähigkeit“ nicht als Alibi für Rücksichts- und Verantwortungslosigkeit. Sie haben im Gegenteil verstanden, dass langfristiger Unternehmenserfolg nicht gegen das Allgemeinwohl, sondern nur als Beitrag zu einer besseren Zukunft für die breite Bevölkerung zu erzielen ist. Als Ermutigung für vorbildliche Betriebe und als gutes Beispiel zur Ermunterung für alle anderen zeichnet der Preis der Arbeit verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln aus.

Dem Forum Zukunftsökonomie kommt es dabei vor allem darauf an: Unternehmerisches Verantwortungsbewußtsein für Menschen und Umwelt soll zur selbstverständlichen öffentlichen Erwartung werden. Gesetze und Vorschriften sind wichtig, aber nicht alles. Sie werden umso leichter gebrochen und umgangen, je geringer die öffentliche Aufmerksamkeit ist. Eine Gesellschaft, die unsensibel ist für den Skandal Arbeitslosigkeit, für gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, für umweltschädliche Erzeugnisse kann die schönsten Gesetze haben – sie werden nicht viel bewirken. Es kommt darauf an, dass in der Gesellschaft und in den Unternehmen eine Kultur der Verantwortlichkeit herrscht. Dazu will das Forum Zukunftsökonomie beitragen.